Fotoausstellung: Wanderer zwischen den Welten.

Aleksand Milinkevich meeting ,Minsk, Belarus, 2 March, 2006

Seit wenigen Tagen präsentieren wir Fotoarbeiten des belarussischen Photojournalisten Andrej Ljankewitsch in unserer Schaufensterausstellung. Die Motive spiegeln die Vielseitigkeit seiner Erlebnisse wieder.  Zu sehen sind Polizeikräfte im Einsatz gegen Anhänger der Opposition, die Präsentation einheimischer produzierter Ski im neuen Laden bis zur ironisch-bitteren “Verhaftung des Weihnachtsmannes“.

Bilder vom “einfachen Leben” in Weißrussland

Kleine Länder haben es schwer. Sie werden meist auf „das Wesentliche“ reduziert, in den Medien tauchen sie – so überhaupt – nur auf, wenn es Hungersnöte, Naturkatastrophen oder politische Unruhen gibt. Und eigentlich weiß niemand so recht, wo sie geographisch liegen. Belarus ist so ein Land. Doch gerade anhand dieses Landes zeigt sich einmal mehr, wie einfach man es sich bisweilen mit der Beurteilung von politischen oder lebensweltlichen Situationen macht: Für die einen ist es die „letzte Diktatur Europas“, für die anderen der letzte „staatssozialistische Erfolg“ auf dem europäischen Kontinent. Die Realität liegt irgendwo dazwischen. Und sie ist genauso geprägt von Menschen, die – oft auf Kosten, oder sagen wir besser: zugunsten der eigenen Zukunft – für Meinungsfreiheit und Demokratie kämpfen, wie von Kindern, die lachen und von Menschen, die glücklich sein können. Die vielen Facetten dieser Realität einzufangen ist schwierig, man muss es bewusst wollen.

Zur Arbeit des belarussischen Fotojournalisten Andrej Ljankewitsch

Dem 1981 geborenen belarussischen Fotojournalisten Andrej Ljankewitsch gelingt dies immer wieder auf beeindruckende Weise. Wer einmal eine Ausstellung mit Bildern des eher unscheinbaren und bescheidenen, mithin sehr jungen Ljankewitsch gesehen hat, weiß, was gemeint ist. Da marschiert eine ältere Dame mit einer Fahne der UdSSR über den Minsker Oktoberplatz – einer Zukunft entgegen, die schon längst Vergangenheit ist. Da sieht man monströse, panzerkettenrasselnde Militärparaden, Kinder mit Kalaschnikows und Bildern des Präsidenten Lukaschenka im Rucksack. Aber man entdeckt auch nonkonforme Kunstprojekte, „unangepasste“ Jugendliche mit weiß-rot-weißen Fahnen und Aufnahmen aus homosexuellen Wohngemeinschaften. Gerade letzteres Thema sucht man in der belarussischen Öffentlichkeit vergebens. Und natürlich sind da auch die „einfachen“ Menschen des Landes, man sieht idyllisch anmutende Szenen aus einem sicherlich gar nicht so einfachen Alltag – Frauen, die mit Rucksäcken voller Preiselbeeren durch Sümpfe waten, alte Männer in der Banja und Kinder auf Kettenkarussells.

Interessante Eindrücke

Die belarussische Realität ist vielseitig, man kann sie aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Freilich stets mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Es ist das besondere Verdienst des Fotographen Ljankewitsch, dass er sich auf den Weg gemacht hat, diese verschiedenen Welten in teils grotesken Szenen festzuhalten. Denn gerade seine Bilder vermitteln einen ungewöhnlich tiefen und vielseitigen Eindruck von einem fast vergessenen Land mitten in Europa. Überdies macht Ljankewitsch eines deutlich: Er zeigt, welche Potentiale das Land heute besitzt. Allein unter dem Eindruck seiner kreativen Arbeit erscheint die Zukunft von Belarus in jedem Fall in einer neuen, bedenkenswerten Perspektive.

Mehr Fotos und Kontakt: www.liankevich.com

Andrej Ljankewitsch wird vertreten durch: AnzenbergerAgency (Wien), www.anzenberger.com

Vermittlung von Ausstellungen: Swen Steinberg (Leipzig/Dresden), Swen.Steinberg@web.de

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