150 Jahre politische Bildung

780 Jahre BIW 077 Fälschung

Zum 150. Geburtstag der deutschen Sozialdemokratie erinnert das Wehnerwerk daran, dass politische Bildung von Anfang an ein wichtiger Teil der Arbeiterbewegung war und bis heute für die Demokratie unerlässlich ist. Wir sind in Leipzig dabei, besuchen Sie unsere Wehnerlounge auf dem Festgelände vor dem Alten Rathaus.

150 Jahre Sozialdemokratie – 150 Jahre politische Bildung

von Janosch Pastewka

1863 gilt als das Geburtsjahr der deutschen Sozialdemokratie. „Bildung“ war dabei von Beginn an eines der wichtigsten politischen Ziele der neuen politischen Kraft. 150 Jahre organisierte Sozialdemokratie heißt also auch 150 Jahre politische Bildung für alle. Eine gute Tradition, auf die sich auch heutige Bildungswerke berufen sollten.

„Wissen ist Macht“ ist auf einer großen, dunkelroten Fahne zu lesen, die heute im ersten Stock des Dresdner Stadtmuseums hängt. Sie erinnert an den Sozialdemokraten Wilhelm Liebknecht, der seine berühmt gewordene Parole „Wissen ist Macht – Macht ist Wissen“ am 5. Februar 1872  auch den Dresdner Arbeiterinnen und Arbeitern entgegengerufen hatte. Die Rede, die er damals hielt, erschien bald darauf als begehrte Broschüre, das Schlagwort findet sich auf Fahnen, wie jener im Stadtmuseum, auf Postkarten, Demonstrationsbannern und zahlreichen Andenken. Nicht ohne Grund; steckt doch in der einfachen Formulierung eine fundamental wichtige Erkenntnis: Bildung ist der Schlüssel zu politischer Teilhabe. Dummheit hingegen führt zu Entmündigung. Bildung – auch politische Bildung – darf daher nicht nur Eliten zugänglich sein.

Vom Arbeiterbildungsverein zur modernen politischen Bildung

Bereits einige Zeit vor der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins 1863 in Leipzig waren in ganz Deutschland Arbeiterbildungsvereine gegründet worden: 1833 legten die Buchhandlungsgehilfen in Leipzig vor, um 1848 gab es auch in Dresden einen ersten Arbeiterbildungsverein, geführt von dem 28-jährigen Schneidergesellen August Tirnstein. Die organisierte Sozialdemokratie und die Gewerkschaften trugen die Forderung nach besserer Bildung für alle von nun an stets an vorderster Front mit sich. Als nach dem Ersten Weltkrieg demokratisch gewählte Regierungen erstmals auch von der SPD getragen wurden, gehörten Reformen im Schulwesen und im Bildungsbereich zu den allerersten Maßnahmen. „Bildung für alle“ spielte in den 1906 verabschiedeten „Leitsätzen über Volkserziehung und Sozialdemokratie“, aber auch in jedem Parteiprogramm der SPD eine wichtige Rolle. So heißt es im Heidelberger Programm von 1925: „Die Sozialdemokratische Partei erstrebt die Aufhebung des Bildungsprivilegs der Besitzenden.“ Und im Godesberger Programm von 1959 heißt es: „Freiheit und Demokratie in der industriellen Gesellschaft sind nur denkbar, wenn eine ständig wachsende Zahl von Menschen ein gesellschaftliches Bewußtsein entwickelt und zur Mitverantwortung bereit ist. Ein entscheidendes Mittel dazu ist politische Bildung im weitesten Sinne.“

Wer nicht fragt, bleibt dumm

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in Westdeutschland der Sozialdemokratie nahestehende Stiftungen und Bildungswerke neu oder nahmen, wie etwa die Friedrich-Ebert-Stiftung, ihre Arbeit wieder auf. Stets leitete sie die Überzeugung, dass eine funktionierende Demokratie auch Demokraten braucht. In Ostdeutschland ist das Herbert-Wehner-Bildungswerk eines der wenigen Institutionen, die sich auch in diesem Teil Deutschlands für die „politische Bildung für alle“ (so auch das Motto des Bildungswerks) einsetzen. Demokraten wachsen auch und gerade hier nicht auf Bäumen. Sie müssen herangebildet werden. So sind in erster Linie die Schulen, aber auch Ausbildungsstätten, Hochschulen, die Medien und nicht zuletzt die Träger der politischen Erwachsenenbildung Tag für Tag gefordert. Aber so wichtig eine gut funktionierende politische Bildungslandschaft auch ist: am Ende muss jeder Einzelne aktiv werden. Wer nicht fragt, bleibt dumm. Und damit machtlos.

 

 

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