Erste Reaktionen: “Bahrs Mutmaßungen über Wehner”

In seinem jüngsten Buch beschuldigt Egon Bahr Herbert Wehner unter anderem des Hochverrats. Der Historiker und Herbert-Wehner-Biograf Christoph Meyer hat diese Anwürfe untersucht und sie anhand der Quellen widerlegt. Das Ergebnis seiner Recherche kann man hier einsehen.

Zugleich äußern sich Zeitzeugen zu Bahrs Anschuldigungen. Der nachfolgende Brief erreichte uns vor wenigen Tagen.

Herbert Wehner

Herbert Wehner 1906-1990

Sehr geehrter Prof. Dr. Meyer,

aus meiner Zeit als Landesgeschäftsführer der Schleswig-Holstein-SPD kenne ich Egon Bahr als mein Landesvorstandsmitglied, als Bundesgeschäftsführer und als Mitglied de Bundestages. Ich schätzte ihn irgendwo als Schlitzohr, als Strippenzieher. Meine vorsichtige Achtung vor seinen zweifellos vorhandenen intellektuellen Fähigkeiten schlug in Enttäuschung und Empörung über, als ich sein Buch “Erinnerungen an Willy Brandt” gelesen hatte. Seine Arroganz  und grenzenlose Überschätzung der eigenen Wichtigkeit schufen tiefe Distanz in mir zu ihm. Seine geradezu hasserfüllten Tirraden gegenüber Herbert Wehner und seine gebrochenen Erinnerungen an die wahrhaft stattgefundenen Ereignisse erweckten in mir allenfalls Mitleid für einen älternden Herren.

Diese von mir rein gefühlsmäßigen Beurteilungen erfahren jetzt durch Deine “Bahrs Mutmaßungen über Wehner” eine wissenschaftliche Bestätigung. Ich bin Dir dankbar für Deine fundierten Ausführungen und präzisen Quellenangaben, die leider einen scheinbar historischen Zeitgenossen widerlegen, für den doch nichts wichtiger zu sein scheint, als seine eigene Person.

Herzliche Grüße von der Ostsee

Rolf Selzer

 

 

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