Die Dinge regeln, die alle angehen

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Vor 25 Jahren, am 19. Januar 1990, starb in Bonn, 83jährig, der Dresdner Arbeitersohn Herbert Wehner.
Ohne seine Hilfe wären die Sozialdemokraten Helmut Schmidt und Willy Brandt weder Bundeskanzler geworden noch es geblieben. Ohne Wehners Wirken wäre die heutige Große Koalition ohne geschichtliches Vorbild. Notwendig ist, dies nicht zu vergessen.
Herbert Wehners Erfahrung war eine entbehrungsreiche Jugend in Sachsen, das Erleben eines scharfen Gegensatzes von materieller Not und kulturellem Reichtum im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Der junge Wehner kämpfte für die soziale Gerechtigkeit, wurde Kommunist, ging in den Widerstand gegen die Nazis und erlebte die stalinistischen Säuberungen mit. In den 1940er Jahren in Schweden brach er mit seinem Irrglauben. Fortan bekämpfte er als aktiver Sozialdemokrat den Kommunismus, gehasst und verfolgt durch die SED.
Nach dem Krieg, in Hamburg, wurde Herbert Wehner 1949 Bundestagsabgeordneter – er blieb es fast 34 Jahre. Wehner kämpfte für die deutsche Einheit, für menschliche Erleichterungen im geteilten Deutschland. Als stellvertretender Parteivorsitzender reformierte er die SPD – organisatorisch, innenpolitisch, außenpolitisch. Er entwickelte sie zu der demokratischen Volkspartei, welche in den 1960er Jahren regierungsfähig und dann führende Regierungspartei der 1970er Jahre wurde. Immer behielt er dabei das Wohl seiner Landsleute in der damaligen DDR, in seiner geliebten Heimat Sachsen im Blick.
Herbert Wehner starb, ohne den Fall der Mauer noch bewusst miterleben zu können. Greta, seine Witwe, ist 1996 nach Sachsen gezogen, um hier das Herbert-Wehner-Bildungswerk mit aufzubauen. Der Freundeskreis und die Herbert-und-Greta-Wehner-Stiftung helfen, das Erbe fortzuführen.
Politik ist nicht das abgehobene Spiel einer auserkorenen Schar von Professionellen, sondern, so erklärte Wehner das Wort, „das Regeln der Dinge, die alle angehen“. Und das geht nur gemeinsam, zusammen mit möglichst vielen Menschen. Das Erbe Herbert Wehners tragen alle diejenigen fort, die sich aktiv in seinem Sinne einsetzen – politisch und gesellschaftlich, für Demokratie und Mitmenschlichkeit.

(Christoph Meyer – Text für den „Vorwärts“ 1/2015)

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