Herbert-Wehner-Bildungswerk e. V.
Aktuelles-Artikel
28. Oktober 2026
Gedanken zum 102. Geburtstag von Greta Wehner
Am 31. Oktober wäre Greta Wehner 102 Jahre alt geworden. Sie war weit mehr als die Frau an der Seite des SPD-Politikers Herbert Wehner: eine politisch klare, warmherzige und eigenständige Persönlichkeit, die sich zeitlebens für andere Menschen, die Sozialdemokratie und die politische Bildung engagierte.
Greta Wehner wurde 1924 als Tochter einer Gärtnerin und eines Schiffszimmermanns geboren. Schon als Kind erlebte sie die Folgen des Nationalsozialismus unmittelbar: Ihr Vater wurde 1934 von den Nationalsozialisten ermordet, 1937 floh sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder nach Schweden. Dort half die Familie anderen Geflüchteten. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland arbeitete Greta Wehner als Säuglingskrankenschwester und Sozialarbeiterin.
Eine unverzichtbare Partnerin in der Politik
Von 1953 an unterstützte Greta Wehner Herbert Wehner über Jahrzehnte bei seiner politischen Arbeit. Sie organisierte sein Büro, koordinierte Termine, begleitete ihn auf Reisen und kümmerte sich um seine Gesundheit. Auch bei den Bemühungen um die Familienzusammenführung und die Freilassung politischer Häftlinge aus der DDR war sie im Hintergrund beteiligt. In den letzten Jahren seines Lebens pflegte sie ihren schwer erkrankten Mann.
Dabei blieb sie selbst häufig außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung. Ihre politische Urteilskraft, ihre Tatkraft und ihr Verantwortungsbewusstsein waren jedoch prägend für das gemeinsame Leben und Wirken. Helmut Schmidt schrieb 1991 in einem Brief an Greta: „An dir ist eine Politikerin verlorengegangen“.
Politische Bildung als Auftrag
Nach Herbert Wehners Tod 1990 begann für Greta ein neuer Lebensabschnitt. Sie wollte etwas von ihm in seine Heimat Sachsen zurückbringen – und zugleich eigene Akzente setzen. Sie beteiligte sich an der Gründung des Herbert-Wehner-Bildungswerks in Dresden und zog 1996 selbst in die Stadt. 2003 gründete sie die Herbert-und-Greta-Wehner-Stiftung, um die politische Bildungsarbeit langfristig zu sichern.
Ihr Verständnis politischer Bildung ging über die Vermittlung von Wissen hinaus: Menschen sollten lernen, selbstständig politisch zu denken, Verantwortung zu übernehmen und demokratisch zu handeln. In Sachsen ermutigte sie Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, berichtete aus ihrem bewegten Leben und setzte sich auch öffentlich für eine bessere Pflegepolitik ein.
Greta Wehner starb am 23. Dezember 2017 in Dresden. Ihr Lebensweg steht für Solidarität, Zivilcourage und die Überzeugung, dass jeder Mensch etwas bewegen kann. Diese Haltung prägt auch unsere Arbeit im Herbert-Wehner-Bildungswerk bis heute.
Wir erinnern an Greta Wehner – eine Frau, die nicht im Mittelpunkt stehen musste, um Entscheidendes zu bewirken.
Die Biografie von Christoph Meyer „Greta Wehner. Eine Frau tritt aus dem Schatten“ ist 2024 im Verlag Langenmüller (LMV) erschienen und überall im Buchhandel erhältlich.
Aktuelles-Artikel
27. Oktober 2026
Seminarprogramm 2027 ist online!
Qualifizierungszeit nutzen und auf diese Weise Geschichte, Menschen, Orte, Themen sowie Kompetenzen für sich entdecken.
Unser neues Seminarprogramm für 2027 ist online – mit Gedenkstätten- und Bildungsfahrten, Seminaren und Exkursionen für alle, die genauer hinschauen, dazulernen und selbst etwas bewegen wollen.
Von Breslau über Kiel nach Den Haag: Geschichte verstehen, Gegenwart hinterfragen
2027 nehmen wir euch wieder mit an Orte, an denen Geschichte lebendig wird und politische Fragen ganz konkret werden. In Breslau/Wrocław verfolgen wir, wie aus der über Jahrhunderte deutschen Stadt das heutige polnische Wrocław wurde – und was Widerstand, Neuanfang und deutsch-polnische Verständigung miteinander zu tun haben. In Den Haag geht es um das Völkerrecht: Wie ist es entstanden, wer schützt es und was passiert, wenn Staaten sich nicht daran halten?
Auch andere Fahrten folgen einem erkenntnisreichen Spannungsbogen: In Kiel treffen der Matrosenaufstand von 1918, die heutige Rüstungsindustrie und die Sicherheitsdebatten rund um die Ostsee aufeinander. In Elsass-Lothringen und Straßburg erkunden wir, wie aus einer konfliktreichen deutsch-französischen Geschichte eine europäische Partnerschaft wurde. Und zwischen Hambach und Heidelberg folgen wir den Spuren der Demokratiebewegung – vom Hambacher Fest bis zu studentischen Protesten und gesellschaftlichen Umbrüchen.
#demokratierelevant: Gedenkstätten als Brücke zur Gegenwart
Wer sich mit der NS-Vergangenheit und ihren Folgen (bis heute) auseinandersetzen möchte, findet ebenfalls vielfältige Angebote: Wir besuchen mit euch die Gedenkstätten Auschwitz, Buchenwald, Sachsenhausen und Theresienstadt. In Chemnitz und Zwickau beschäftigen wir uns mit der Geschichte des rechtsterroristischen Netzwerks NSU-Komplex, mit dessen Opfern und der gesellschaftlichen Aufarbeitung.
Gleichermaßen haben die Geschichte des DDR-Unrechts und die Schicksale politisch Verfolgter ihren Platz in unserem Programm. Die Gedenkstätten Hoheneck, Bautzen und Berlin-Hohenschönhausen machen deutlich, was es bedeutet, wenn ein Staat Freiheit unterdrückt und Menschen ihrer Rechte beraubt. Zugleich lenken sie den Blick auf die Gegenwart: Wie bewahren wir die Erinnerung an die Opfer? Was können wir aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernen? Und wie können wir Demokratie und Menschenrechte heute schützen?
Jetzt ist die Zeit zum Handeln – wir machen euch fit dafür
Politische Bildung hilft dabei, im Hier und Jetzt handlungsfähig zu bleiben. Deshalb gibt es 2027 wieder Seminare, in denen ihr Methoden ausprobieren, neue Fähigkeiten entwickeln und Erfahrungen austauschen könnt.
Wie moderiert man eine Diskussion, wenn die Stimmung kippt? Wie lassen sich Schutzkonzepte für Vereine entwickeln? Und wie gelingt gute Zusammenarbeit, wenn Teams ohne klassische Hierarchien arbeiten? Unsere Angebote reichen von Moderationstrainings mit Videoanalyse über Gewaltfreie Kommunikation bis zur Sommerwerkstatt, in der wir Moderation, Schutzkonzepte und Awareness zusammendenken.
Unser Programm hat natürlich auch kommunalpolitisch wieder einiges zu bieten: von den Grundlagen der Arbeit im Gemeinde- bzw. Stadtrat über kommunale Finanzen und Beteiligungsmöglichkeiten für Einwohner:innen bis hin zum Umgang mit rechtswidrigen oder populistischen Anträgen.
2027 gibt es noch einen Grund mehr, dabei zu sein
Ab dem 1. Januar 2027 gibt es auch in Sachsen einen gesetzlichen Anspruch auf Qualifizierungszeit (Bildungszeit/Bildungsurlaub). Beschäftigte, die bereits länger als sechs Monate bei ihrem Arbeitgeber tätig sind, können jährlich bis zu drei Arbeitstage für anerkannte Weiterbildungen nutzen – auch für politische Bildung und Qualifizierungen im Ehrenamt. Das eröffnet neue Möglichkeiten: Wer sich mit Geschichte und Politik beschäftigt, sich kommunal engagiert, Verantwortung im Verein übernimmt oder sich für Demokratie und Gesellschaft stark macht, muss künftig nicht mehr seinen Erholungsurlaub „opfern“.
Welche Veranstaltungen genau anerkannt werden und wie das Antragsverfahren abläuft, wird derzeit (Stand Oktober 2026) noch geregelt. Lass dich davon nicht abhalten: Informiere dich beim Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) über deine Möglichkeiten (per E-Mail an: buergerbeauftragte@smwa.sachsen.de | Tel.: 0351-56480605) und plane deine Bildungszeit frühzeitig. Denn politische Bildung ist nicht nur persönliche Weiterbildung – sie stärkt die Fähigkeit, unsere Gesellschaft mitzugestalten.
Aktuelles-Artikel
27. Oktober 2026
Wo Wissen auf Demokratie trifft: Die SLUB als Ort des offenen Austauschs
Wie demokratisch ist eine Bibliothek? Auf den ersten Blick geht es hier um Bücher, Forschung und Wissen. Doch Bibliotheken sind weit mehr als Orte zum Lesen und Lernen: Sie ermöglichen den Zugang zu Informationen, machen unterschiedliche Perspektiven sichtbar und schaffen Raum für gesellschaftliche Debatten. Bevor die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek ab 2028 bis voraussichtlich 2034 ihre Türen für eine Generalsanierung schließt, wollen wir diesen besonderen Ort noch einmal besichtigen.
Am Donnerstag, 12. November 2026, laden wir euch zu einer Führung und einem Gespräch in die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) in Dresden ein. Gemeinsam erkunden wir, was Bibliotheken zu wichtigen Stützen unserer Demokratie macht – und wo sie selbst vor schwierigen Entscheidungen stehen.
Wer entscheidet, welches Wissen zugänglich ist?
Eine demokratische Gesellschaft braucht Menschen, die sich informieren, unterschiedliche Positionen kennenlernen und sich eine eigene Meinung bilden können. Bibliotheken leisten dazu einen wichtigen Beitrag: Sie machen Wissen zugänglich, unabhängig davon, ob jemand studiert, wissenschaftlich arbeitet oder sich einfach für ein Thema interessiert.
Doch wie geht eine Bibliothek mit Inhalten um, die politisch umstritten sind? Was passiert, wenn Menschen Neuanschaffungen vorschlagen, deren Inhalte kontrovers diskutiert werden? Und wie lässt sich ein möglichst breites Informationsangebot mit einem verantwortungsvollen Umgang mit problematischen Positionen vereinbaren?
Bei unserem Besuch werfen wir einen Blick auf solche Fragen und sprechen darüber, wie Bibliotheken mit unterschiedlichen Interessen und gesellschaftlichen Konflikten umgehen.
Frauen in der Politik: Ein Blick in ein Originaldokument von 1946
Auch die Geschichte politischer Teilhabe gehört zu unserem Programm. Anhand eines Originaldokuments aus dem Jahr 1946 beschäftigen wir uns mit dem Thema „Frauen in die Politik“. Dabei geht es um die Frage, wie Frauen politische Mitbestimmung erkämpft haben und was historische Dokumente über gesellschaftliche Vorstellungen, Machtverhältnisse und demokratische Entwicklungen verraten.
Der Blick zurück eröffnet zugleich Fragen für die Gegenwart: Wer wird politisch gehört? Wer kann Entscheidungen mitgestalten? Und welche Voraussetzungen braucht eine Gesellschaft, damit möglichst viele Menschen ihre Interessen vertreten können?
Noch einmal in die SLUB, bevor die Sanierung beginnt
Die Veranstaltung bietet zugleich Gelegenheit, die Zentralbibliothek noch einmal vor Ort kennenzulernen: Ab 2028 soll sie für eine umfassende Generalsanierung voraussichtlich bis 2034 schließen. Wir möchten die Zeit davor nutzen, um diesen bedeutenden Wissensort aus einer demokratiepolitischen Perspektive zu entdecken.
- Termin: Donnerstag, 12. November 2026, 16:30–18:00 Uhr
- Ort: SLUB Zentralbibliothek, Zellescher Weg 18, 01069 Dresden
- Treffpunkt: 16:30 Uhr im Foyer
- Leitung: Karin Pritzel, Politikwissenschaftlerin und Geschäftsführerin des Herbert-Wehner-Bildungswerks e. V.
- Teilnahme: kostenfrei
Wir freuen uns auf eine gemeinsame Entdeckungstour und ein Gespräch über Wissen, politische Teilhabe und die Bedeutung demokratischer Orte im Alltag. Hier geht’s zu den Veranstaltungsinfos und zur Anmeldung.
Aktuelles-Artikel
26. Oktober 2026
Hinter den Kulissen politischer Bildungsarbeit – Praktikum im Wehnerwerk
Das Herbert-Wehner-Bildungswerk sucht regelmäßig Praktikant:innen im Bereich politische Erwachsenenbildung und Öffentlichkeitsarbeit.
Wir freuen uns sehr, dass Clarissa uns seit dem 19.10.2026 als Praktikantin tatkräftig unterstützt.
Am besten stellt sie sich hier selbst kurz vor: „Ich bin Clarissa, 22 Jahre alt und studiere Politik- und Sozialwissenschaften an der TU Dresden. Aktuell befinde ich mich in den letzten Zügen meines Bachelorstudiums, welches ich im nächsten Jahr abschließen werde. Mein zweimonatiges Pflichtpraktikum habe ich bereits in der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag absolviert und konnte dort wertvolle Einblicke in die parlamentarische Arbeit gewinnen. Nun möchte ich im Rahmen eines freiwilligen Praktikums im Wehnerwerk meine Kenntnisse im Bereich der politischen Bildung vertiefen und neue Erfahrungen sammeln, die mich sowohl persönlich als auch akademisch weiterbringen. Ich stamme ursprünglich aus dem Landkreis Meißen und engagiere mich dort auf kommunaler Ebene in der SPD. Umso mehr freue ich mich darauf, die Arbeit der politischen Bildung näher kennenzulernen, an interessanten Projekten mitzuwirken und neue Perspektiven für mein weiteres Engagement mitzunehmen. Das Praktikum bietet mir die Möglichkeit die vielfältigen Ansätze kennenzulernen, mit denen politische Bildung gestaltet und vermittelt wird – dies finde ich vielversprechend und spannend. Privat interessiere ich mich besonders für Sport, vor allem für Motorsport, reise gerne und höre mit Begeisterung Politik-Podcasts.“
Du studierst Geistes-, Sozial-, Erziehungs- oder Wirtschaftswissenschaften (ab dem 3. Fachsemester) und interessierst dich für Politik, Geschichte und politische Bildungsarbeit? Dann könnte unser Praktikum genau das Richtige für dich sein!
Du kennst jemanden, für den das spannend sein könnte? Dann leite die Info gern weiter!
Beim Herbert-Wehner-Bildungswerk kannst du ein drei- bis sechswöchiges Praktikum absolvieren. Alle Infos zu den Aufgaben und Voraussetzungen findest du hier auf unserer Website.
Aktuelles-Artikel
16. Oktober 2026
Qualifizierungszeit: Mehr Zeit für Bildung in Sachsen
Ab dem 1. Januar 2027 gibt es auch in Sachsen einen gesetzlichen Anspruch auf Qualifizierungszeit (Bildungszeit). Beschäftigte, die bereits länger als sechs Monate bei ihrem Arbeitgeber tätig sind, können jährlich bis zu drei Arbeitstage für anerkannte Weiterbildungen nutzen – auch für politische Bildung und Qualifizierungen im Ehrenamt.
Das eröffnet neue Möglichkeiten: Wer sich mit Geschichte und Politik beschäftigt, sich kommunal engagiert, Verantwortung im Verein übernimmt oder sich für Demokratie und Gesellschaft stark macht, kann Weiterbildung künftig leichter mit dem Berufsalltag verbinden. Die Qualifizierungszeit ist damit auch eine Chance, neue Perspektiven zu gewinnen, Wissen zu vertiefen und das eigene Engagement zu stärken.
Wichtig für Beschäftigte: Die Freistellung muss grundsätzlich spätestens zwölf Wochen vor Beginn der Weiterbildung beim Arbeitgeber angemeldet werden. Die Weiterbildung müssen Beschäftigte selbst bezahlen. Betriebliche Gründe können einer Freistellung entgegenstehen. Kleine Betriebe erhalten für Beschäftigte, die Qualifizierungszeit in Anspruch nehmen, einen finanziellen Ausgleich.
Welche Veranstaltungen genau anerkannt werden und wie das Antragsverfahren abläuft, wird derzeit (Stand Oktober 2026) noch geregelt. Lass dich davon nicht abhalten: Informiere dich beim Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) über deine Möglichkeiten (per E-Mail an: buergerbeauftragte@smwa.sachsen.de | Tel.: 0351-56480605) und plane deine Bildungszeit frühzeitig. Denn politische Bildung ist nicht nur persönliche Weiterbildung – sie stärkt die Fähigkeit, unsere Gesellschaft mitzugestalten.
Mehr Informationen zum Verfahren und welche unserer Angebote dem Qualifizierungszeitgesetz entsprechend anerkannt sind, erfährst du, sobald wir mehr Informationen vom SMWA haben, hier auf unserer Website.